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Erfolgreiches Altern: Persönlichkeit und neue Technologien

Franz J. Neyer & Anne Forberg

Allein in Deutschland werden im Jahr 2030 voraussichtlich mehr als 28 Millionen Menschen 60 Jahre und älter sein. Menschen im höheren Alter bilden die Bevölkerungsgruppe, die in den nächsten Jahren am stärksten wachsen wird. Intelligente Technologien spielen daher eine zunehmend wichtige Rolle.

Der vom Land Niedersachsen geförderte Forschungsverbund "Gestaltung altersgerechter Lebenswelten" (GAL) widmet sich der Frage, wie neue Technologien erfolgreiches Altern unterstützen können. Sein Ziel ist dabei die Entwicklung und Erprobung von assistierender Informations- und Kommunikationstechnik zur Gewinnung und Aufrechterhaltung von Lebensqualität, Gesundheit und Selbstbestimmung in der zweiten Lebenshälfte.

Das interdisziplinär angelegte Projekt vereint die Bemühungen von Forschern aus den Bereichen Geriatrie (Altersheilkunde), Gerontologie (Alters- und Alternswissenschaft), Hörtechnik, Informatik, Ingenieurwissenschaften, Medizin, Medizinische Informatik, Ökonomie, Pflegewissenschaft, Psychologie sowie Rehabilitationspädagogik.

Der Beitrag der Abteilung Differentielle Psychologie, Persönlichkeitspsychologie und Psychologische Diagnostik an der Universität Jena besteht in der theoretischen Konzeption und empirischen Fundierung eines persönlichkeitspsychologischen Modells des Zu- und Umgangs mit Technik. Konkrete Ziele sind die Planung, Entwicklung  und Validierung einer Kurzskala zur Erfassung individueller Unterschiede in der Technikbereitschaft (technology commitment). Damit werden den gerontologischen und ingenieurwissenschaftlichen Teilprojekten des Forschungsverbundes wichtige Informationen über ihre zukünftigen Zielgruppen, z.B. im Hinblick auf die Generierung spezifischer Nutzerprofile, bereitgestellt.

Grundsätzlich nehmen wir an, dass Technikbereitschaft (technology commitment) ein komplexes individuelles Merkmal ist, das sich auf mindestens drei Dimensionen abbilden lässt: Akzeptanz, Kompetenz und Kontrolle. Während Technikakzeptanz ein soziales Einstellungsmerkmal ist und die Offenheit gegenüber neuen Technologien widerspiegelt, wird Technikkompetenz als individuelles Kompetenz- und Performanzmerkmal betrachtet, das die Fähigkeit zum erfolgreichen Umgang mit Technik beschreibt. Technikkontrolle beschreibt schließlich die Motivdisposition im Hinblick auf die wahrgenommene Kontrollierbarkeit neuer Technologien. Es wird erwartet, dass der erfolgreiche Umgang mit Technik eine Funktion der Wechselwirkung zwischen diesen drei Persönlichkeitsmerkmalen und situativen Anforderungen an die Lebensgestaltung im Alter ist.


Publikationen

Fudickar, S., Schnor, B., Felber, J., Neyer, F. J., Lenz, M. & Stede, M. (2011). KopAL - An Orientation System For Patients With Dementia. In B. Gottfried & H. Aghajan (Eds.), Behaviour Monitoring and Interpretation - BMI (pp. 83-104). Amsterdam: IOS Press.

Haux et al. (2010). The lower Saxony research network design of environments for ageing. Towards interdisciplinary research on information and communication technologies in ageing societies. Informatics for Health & Social Care, 35, 92-103.

Neyer, F. J., Felber, J. & Gebhardt, C. (2012). Entwicklung und Validierung einer Kurzskala zur Erfassung von Technikbereitschaft (technology commitment). Diagnostica, 58, 87-99.